2. Runde im Übernahme-Poker: Nyx Gaming verklagt William Hill

Der Streit um den geplanten Kauf von Nyx Gaming durch Scientific Games eskaliert weiter. Nyx Gaming hat in New Jersey Klage gegen William Hill eingereicht – der Buchmacher hatte Maßnahmen eingeleitet, um die Übernahme zu stoppen.

Die Auseinandersetzung zwischen Nyx Gaming und William Hill zeigt, wie schnell aus Partnern Gegner werden können. 2016 hatte William Hill den Kollegen von Nyx noch bei der Akquisition von OpenBet finanziell unterstützt. Es flossen 80 Millionen Dollar an das Unternehmen aus Las Vegas. Das Ziel der britischen Beteiligung war eine privilegierte Partnerschaft und dauerhafter Zugang zu der leistungsstarken Wettplattform OpenBet. Die Software gilt als Grundstein des Erfolges der Briten auf dem noch überschaubaren US-Markt. Doch die erwartete Legalisierung von Sportwetten in weiteren US-Bundesstaaten hat die Lage drastisch verändert. Der Spielehersteller Nyx Gaming ist selbst zum Übernahmekandidaten geworden, sein OpenBet weckt Begehrlichkeiten aufseiten von Scientific Games, einem der führenden Unternehmen im landbasierten Glücksspiel der USA. Sci-Games hat Nyx ein lukratives Angebot gemacht, sie wollen pro Aktie des an der Börse von Toronto gehandelte Unternehmen 2,40 kanadische Dollar zahlen, insgesamt betrüge der Kaufpreis etwa 630 Mio. US-Dollar. Zum Zeitpunkt der Ankündigung war das mehr als der doppelte Unternehmenswert von Nyx Gaming.

Der Vorstand von Nyx Gaming hat seine Zustimmung zu dem Deal signalisiert, doch die britischen Investoren von William Hill planen offenbar, diesen zu verhindern. Dazu wollen sie ihre Vorzugsaktien in stimmberechtigte Anteile umwandeln und bei der Abstimmung wohl blockieren. Offiziell geben sich William Hill zwar unentschlossen, doch da ein Umtausch der Aktien mit Kosten verbunden ist und der Deal auch ohne ihre Zustimmung durchgehen würde, ist die Absicht ziemlich offensichtlich. Die Märkte reagierten auf das Gebaren des britischen Traditionsbuchmachers prompt – Nyx Gaming verlor an der Börse etwa 20% an Wert. Nyx Gaming schaltet nun das amerikanische Kartellgericht in New Jersey ein. Ihrer Ansicht nach verstößt William Hill gegen kartellrechtliche Vorgaben, da es zum Schaden der übrigen Anteilseigner handele. Die Amerikaner sprechen von einer „unerlaubten Einmischung“, sie verlangen eine Unterlassungserklärung der Briten sowie Schadenersatz.

William Hill könnte zu weit gegangen sein

Der Ton der Beteiligten wird zunehmend rauer. Nyx Gaming wirft William Hill zusätzlich vor, vom Käufer Sci-Games einen Wettbewerbsverzicht in den USA gefordert zu haben. Nur dann würde man der Übernahme zustimmen. Darüber hinaus habe man den Quellcode von OpenBet gefordert – beides haben die Amerikaner wenig überraschend abgelehnt. Sollten sich diese Vorwürfe beweisen lassen, könnte dies zu einem Problem werden. Derartig wettbewerbsfeindliche Forderungen könnten illegal sein.

Doch auch die amerikanische Gegenseite legt mittlerweile harte Bandagen an. Für den Fall, dass die Übernahme scheitern sollte, hat Nyx Gaming Sci-Games die Exklusivrechte an einer neuen Wettplattform zugesichert, die gemeinsam entwickelt werden solle. Diese Ankündigung richtet sich ganz offensichtlich an William Hill: Stimmt dem Deal zu oder wir geben Sci-Games OpenBet 2.0 und lassen die alte Plattform langsam auslaufen. Auch über ein solches Vorhaben könnte es rechtliche Auseinandersetzungen haben, schließlich gibt es laufende Verträge. Es lässt sich zwar nicht seriös vorhersagen, wie die Justiz diese Fälle entscheiden wird. Doch es könnte gut sein, dass William Hill ihr Blatt überreizt haben. Die Amerikaner gelten als grundsätzliche Verfechter des freien Wettbewerbs. Der Einmischungsversuch von William Hill könnte also teuer werden: Es droht finanzieller Schaden durch den Umtausch der Vorzugsaktien, ein mittelfristiger Verlust der wichtigen Wettplattform, harte Konkurrenz am US-Markt sowie ein Imageschaden durch rechtliche Verstöße. Vielleicht hätte man doch etwas kooperativer verhandeln sollen.

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